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„Wenn wir bedroht, bestraft, geschlagen, misshandelt wurden, so haben die Nonnen – stellvertretend – im Auftrag Gottes gehandelt: Es waren Gottes Worte, Gottes mahnende und aggressive Blicke, Gottes Hände, Gottes Füße, die uns beschimpften, demütigten, bestraften, prügelten. Es war Gottes Wille: Die uns auffressenden Ängste, Schmerzen, Trauer, Vereinsamung, die sich immer tiefer in unsere Seelen hineinbohrte und hineinfraß. Wir hatten unsere Kindheit Gott und seinem Sohn Jesus Christus zu verdanken.“

Alexander Markus Homes

Die Kinder des Teufels

Es kann nicht ernsthaft bestritten werden, dass grundsätzlich Nonnen (und katholische und evangelische Geistliche sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im kirchlichen Dienst), unabhängig davon, welchem Orden sie angehören, Kinder (zwangs-)missionieren.

Ich bin fest davon überzeugt, dass viele dieser weiblichen Missionare im Namen Gottes psychische und physische Gewalt, auch schlimmste Gewalt anwendeten, um Heimkindern durch Zwangsmissionierung das Christentum mittels einer fundamentalistisch orientierten christlichen Schwarzen Pädagogik quasi in die Kinderseele hineinzuprügeln. Sie haben im Rahmen der Zwangsmissionierung Heimkinder im Namen Jesu Christi geprügelt, malträtiert, gequält, erniedrigt und entwürdigt, um ihnen Disziplin, Gehorsam, Fleiß, Sauberkeit, Unterordnung und den Glauben an ihren Gott aufzuzwingen.

Die religiösen Vollstrecker und Vollstreckerinnen des christlichen Terrors im Namen Gottes beherrschten bis weit in die 70er Jahre hinein die westdeutsche Heimerziehung. Es waren insbesondere Nonnen – nicht alle –, die die Zwangsmissionierung zum Christentum mit zum Teil schlimmster Gewalt betrieben haben. Nonnen, die sich an den Leiden, den Ängsten, den Schmerzen der ihnen anvertrauten Kindern geweidet haben. Diese „Bräute Jesu Christi“ gehören Schwestern-Orden an wie beispielsweise der „Ordensgemeinschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi“ in Dernbach.

Gewalt im Schatten des Kreuzes

„Der Zweck unseres Vereins ist die Ausbreitung des

christlichen Lebens.“

Katharina Kasper (Kasper schrieb dies in ihrer ersten Ordensregel)

Nicht alle „Dernbacher Schwestern“, wie sich die Nonnen vom „Orden der Armen Dienstmägde Jesu Christi“ nennen, haben die „Ausbreitung des christlichen Lebens“ mit friedlichen und gewaltlosen Mitteln betrieben. Einige der „Armen Dienstmägde Jesu Christi“, der „Bräute Jesu Christi“ haben im Namen Gottes offenbar die Menschenrechte und Menschenwürde von Kindern und Jugendlichen mit Füßen getreten. Es stellt sich die Frage, ob schwere Misshandlungen und schwere körperliche Züchtigungen zum Bestrafungs- und Unterdrückungsinstrumentarium des Ordens gehörten.

Zu dem damals und heute geltenden Pflichtkatalog der „Armen Dienstmägde Jesu Christi“, die auch heute noch in Schulen und Heimen tätig sind, gehörte es nach damaliger Vorschrift, dass körperliche Züchtigungen möglichst ausgeschlossen oder doch auf seltene Ausnahmefälle beschränkt sein sollte.

Im Kinderheim St. Josef in Eschweiler waren die „Bräute Jesu Christi“ von der „Ordensgemeinschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi“ viele Jahre beschäftigt. Einige von ihnen sollen in den 50er und 60er Jahren zahlreiche der ihnen anvertrauten Kinder misshandelt, malträtiert, gepeinigt und gequält haben. (In meinem Buch "Heimerziehung: Lebenshilfe oder Beugehaft? Gewalt und Lust im Namen Gottes" – erschienen bei Books on Demand GmbH, Norderstedt, ISBN 3-8334-4780-X – beschreibe ich den Skandalfall „Kinderheim St. Josef“ sehr ausführlich; zahlreiche Menschen kommen zu Wort, die bis Anfang der 70er dort leben mussten und teilweise schwerste Vorwürfe gegen das Kinderheim erheben.)

Auch im Kinderheim Schloss Dilborn bei Brüggen, in dem die „Bräute Jesu Christi“ von der „Ordensgemeinschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi“ viele Jahre beschäftigt waren, sollen junge Menschen in den 60er und 70er Jahren zum Teil schwerst misshandelt worden sein.

So berichtet beispielsweise Petra F. über ihre Erlebnisse:

„Ich erinnere mich, dass, wenn ich nicht essen wollte, mir die Nase zugehalten wurde, so dass ich schlucken musste. Ich erbrach öfters, so dass mir das Essen wieder nachgeschoben wurde. Wir wurden oft geschlagen mit Gegenstände wie Schrubber, Kleiderbügel, Riemen und Handfeger. Ich war ein schwieriges Kind, so dass ich außer Prügel auch unter Schlaf- und Essensentzug zu leiden hatte.

Beim Aufräumdienst nahm die Gruppenschwester H. mir Schrubber und Abzieher ab und schüttete mir im Esssaal 5 Eimer Wasser auf den Boden. Ich musste mit Putzeimer und Putzlappen (ich war 11 Jahre alt) den Boden aufwischen. Meistens war ich bis 1 Uhr in der Nacht damit beschäftigt. Wenn das Wasser in die anderen Räume lief, wurde ich mit dem Schrubber verprügelt. Ich habe das oft erlebt.

Es wurde oft das Essen reingestampft. Ich bekam das einfach nicht herunter. Ich bekam bei jeder Mahlzeit das kalte Essen und die Milch hingestellt. Ich fing an zu klauen, weil ich Hunger hatte. Am 3. Tag durfte ich das wegschmeißen, weil andere Kinder meiner Gruppe sich beschwert haben, dass es so komisch riechen würde.

Wir wurden nachts eingesperrt, so dass wir keine Möglichkeit hatten, zur Toilette zu gehen. Also haben wir keine andere Möglichkeit gefunden als die, ins Bett zu machen. Morgens gab es kalte Duschen, wir wurden verhauen und mussten das Bettlaken auswaschen. Mein älterer Bruder musste das Bettlaken so lange hochhalten, bis es trocken war.

Ob es Kopf unter Wasser war, bis du nach Luft schnapptest, oder 3 Stunden auf den Kacheln knien, die Hände hinter dem Rücken. Es gab immer andere Ideen der heiligen Schwestern. Wir mussten im Holzregal schlafen, ohne Decke in einer Kabause oder auf Zeitungen stehen – ohne Socken. Sie fanden es schön, wenn wir Schmerzen hatten. Mir wurde öfters die Nase blutig geschlagen, und wenn Besuch kam, musste ich äußern, dass ich mich gestoßen habe. Ich bin dermaßen gedemütigt und misshandelt worden, das ist schon gar kein Ausdruck mehr. Ich wurde jahrelang getreten. (...) Ich hoffe an den Herrgott, dass er die zur Rechenschaft ziehen wird, die uns soviel Leid angetan haben.“

Auch die Brüder K. und W. M. erinnern sich an die Zeit im Kinderheim Schloss Dilborn:

„Wir wurden mit dem Handfeger geschlagen, durften das Essen vom Vortag essen, obwohl es kalt war. Wir mussten stundenlang in einer Ecke Strafe stehen. Bei jeder schlechten Note ging es in den Keller, wo wir uns über einen Stuhl legen mussten und mit dem Handfeger geschlagen wurden. Wir mussten schwere Arbeit leisten – und wenn die Arbeit nicht sauber ausgeführt wurde, flogen 2 oder 3 Eimer Wasser durch den jeweiligen Raum. (...) Beim Duschen wurden wir immer beobachtet, ob wir uns auch sauber waschen. Ich kam mir richtig bescheuert vor. (...) Jeder hatte im Zimmer einen Abhörer, damit die Schwestern uns auch immer hören konnten. (...) Auch die Aufsichtspflicht wurde immer wieder verletzt: Ich habe meinen kleinen Freund Stefan G. verloren, weil er ertrunken ist.“

Und auch im St. Vincenzstift (Rüdesheim-Aulhausen), in dem die „Dernbacher Schwestern“ damals in leitender Funktion beschäftigt waren, wurden bis in die 70er hinein junge Menschen zum Teil schwerst misshandelt: Im „Namen Gottes“, im „Namen Jesu Christi“, im Namen der Schwarzen Pädagogik wurden Kinder und Jugendliche (sicherlich nicht alle!) zum Teil schlimmsten körperlichen und seelischen Misshandlungen wehr- und hilflos ausgesetzt bzw. unterworfen. Viele von ihnen können das Erlebte niemals vergessen: Die traumatischen Erlebnisse, die körperliche und seelische Gewalt, die Ängste, die Demütigungen, die seelischen Wunden, die Alpträume, die Lieblosigkeit, die Schmerzen, die Schmerzensschreie, die Aggressivität, den Hass, den Groll, die Bitterkeit. Die Einsamkeit, die Vereinsamung, die Isolierung, die Enttäuschung, die Traurigkeit, die Hoffnungslosigkeit. Den Schrei und die große Sehnsucht nach Liebe, Wärme, Geborgenheit, Anerkennung, Selbstachtung.

In einem Interview, das ich mit einer Nonne vom „Orden der Armen Dienstmägde Jesu Christi“ führte, berichtete die fromme Frau ganz offen und ehrlich, wie im „Namen Jesu Christi“ Kinder in einem katholischen Heim, in dem sie arbeitete, körperlich und seelisch gequält, gedemütigt, bestraft wurden:

„Auch ich fing an, Kinder zu schlagen, zu bestrafen, sie mit Sanktionen zu belegen. Und ich wusste – wie alle Nonnen und Erzieher auch –, dass die Kinder sich nicht wehren konnten. Sie waren uns, unseren Launen, unserer Macht hilflos ausgeliefert! Wir haben alle bei den Kindern eine große Angst verbreitet. Die Angst beherrschte ihre Seele und ihren kleinen Körper und ihr junges Leben... Wir haben den Kindern immer wieder gesagt, dass wir sie im Namen von Jesus Christus erziehen und ihnen helfen wollen. Doch in Wirklichkeit haben wir – auch wenn diese Erkenntnis schmerzlich ist! – gegen diese christlichen Grundsätze verstoßen!“

Mit dem Straf- und Unterdrückungsinstrument: „Gott“ wurde den Kindern Gehorsam, Willigkeit, Anpassung und Unterwerfung abverlangt:

„Durch die Drohung mit Gott“, gesteht diese Nonne, „hatten wir die Kinder unter Kontrolle, auch ihre Gedanken und Gefühle. Ist das nicht das Ziel jeder konfessionellen Erziehung, jedes konfessionellen Heims?“

Sie selbst bekennt sich dazu, Kinder auf das Schwerste misshandelt zu haben:

„Ich träume heute noch von diesen Heimkindern. Aber es sind keine schönen Träume, keine schönen Erlebnisse, die da wach werden. Erst vor kurzem hatte ich wieder einen dieser Träume: Ich sah wieder, wie ich einen etwa sieben Jahre alten Jungen bei der Selbstbefriedigung erwischte. Ich war außer mir und stellte ihn zur Rede. Doch das Kind begriff nichts. Meine Wut wurde immer größer, und ich zog ihn an den Haaren in den Duschraum. Dort habe ich kaltes Wasser in eine Wanne einlaufen lassen und den Jungen mit Gewalt hineingezerrt und ihn viele Male untergetaucht. Ich sah – wie damals in der Wirklichkeit –, wie er sich zu wehren versuchte; ich hörte ihn wieder schreien. Es kostete eine ganze Menge Kraft, diesen kleinen, zierlichen Körper wieder und wieder unterzutauchen. Ich merkte, wie die Kraft des Jungen nachließ. Sein Gesicht lief blau an, und dennoch machte ich weiter. Der Junge bekam kaum noch Luft, als ich endlich von ihm abließ.“

In dem Buch "Heimerziehung: Lebenshilfe oder Beugehaft? Gewalt und Lust im Namen Gottes" ist das ganze Interview abgedruckt – (Zitat-)Überschrift: „Die konfessionellen Heime sind die schlimmsten Heime für Kinder!“

Körperliche und seelische Misshandlungen, denen Kinder durch Erwachsene – hilflos und wehrlos – ausgesetzt sind, hinterlassen ein Leben lang Spuren. Diese Kinder sind gekennzeichnet: Geschlagene Kinder schlagen weiter, bedrohte Kinder bedrohen weiter, gedemütigte Kinder demütigen weiter... Kurzum: Junge Gewaltopfer werden selbst zu Angreifern und Gewalttätern. Gleiches gilt für Kinder, die in ihrer Kindheit sexuelle Gewalt erleben: Viele von ihnen missbrauchen später Kinder (vgl. hierzu mein Buch „Von der Mutter missbraucht. Frauen und die sexuelle Lust am Kind“ – erschienen bei Books on Demand GmbH, Norderstedt (ISBN 3-8334-1477-4).

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Homes, Alexander Markus

 

 

 

 

 
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